Mittwoch, 31. August 2016

Rezension "Am Ende aller Zeiten" von Adrian J Walker - FISCHER Tor




Broschiert: 432 Seiten
Verlag: FISCHER Tor; Auflage: 1 (25. August 2016)
Sprache: Deutsch

übersetzt von Nadine Püschel und Gesine Schröder 
ISBN-10: 3596037042
ISBN-13: 978-3596037049
D: 14,99 Euro







Inhalt:


Wie weit würdest du gehen … für die, die du liebst?

Adrian J Walker hat mit ›Am Ende aller Zeiten‹ einen postapokalyptischen Roman geschrieben, in dem ein ganz normaler Familienvater vor die größte Herausforderung seines Lebens gestellt wird.

Edgar Hill ist Mitte dreißig, und er hat sein Leben gründlich satt. Unzufrieden mit sich und seinem Alltag in Schottland als Angestellter, Familienvater und Eigenheimbesitzer, fragt er sich vor allem eins: Hat das alles irgendwann einmal ein Ende? Er ahnt nicht, dass sich die Katastrophe bereits anbahnt.
Als das Ende kommt, kommt es von oben: Ein dramatischer Asteroidenschauer verwüstet die Britischen Inseln. Das Chaos ist gigantisch, die Katastrophe total. Ganze Städte werden ausgelöscht. Straßen, das Internet, die Zivilisation selbst gehören plötzlich der Vergangenheit an. England liegt in Schutt und Asche. Ist dies der Weltuntergang?

Edgar und seine Familie werden während der Evakuierung voneinander getrennt, und ihm bleibt nur eine Wahl: Will er Frau und Kinder jemals wiedersehen, muss er 500 Meilen weit laufen, durch ein zerstörtes Land und über die verbrannte Erde, von Edinburgh nach Cornwall. Zusammen mit einigen wenigen Gefährten begibt sich Edgar Hill auf einen Ultra-Marathon durch ein sterbendes Land. Doch sein Weg ist gefährlich: Im postapokalyptischen England kämpft jeder gegen jeden ums blanke Überleben.
Quelle: Amazon



Der Autor:


Adrian J Walker wurde Mitte der 70er Jahre in einem Vorort von Sydney geboren, verbrachte aber einen guten Teil seiner Jugend in England. Er studierte in Leeds, arbeitete als Informatiker und lebt heute mit seiner Frau und zwei Kindern in London.
Quelle: Amazon




Rezension:



Fast, als hätte es der Verlag geahnt, erschien am 25.August 2016 der Endzeitroman „Am Ende aller Zeiten“. Irgendwie passt dieser Titel zur aktuellen Panikmache und den Aufrufen zu Hamsterkäufen und Vorratshaltung.

Und eigentlich lese ich gar keine Science Fiction-Bücher oder doch? Auf der Leipziger Buchmesse habe ich mich nach einer sehr eindringlichen Vorstellung der neuen Sparte TOR der S. Fischer Verlage entschlossen, das Wagnis einzugehen, und „Am Ende aller Zeiten“ eine Chance zu geben. Der Klappentext hatte seinen Reiz.
Ich kann nur sagen, dass mich die Geschichte von Beginn an für sich eingenommen hat und ich diese Entscheidung nicht bereue. Science Fiction ist eben nicht immer Science Fiction. Verpackt in der richtigen Geschichte, einfach fesselnd.

Ed ist nicht vorbereitet, als die Apokalypse über die Erdbevölkerung hereinbricht. Das Leben plätschert an ihm vorbei, er fühlt sich von alltäglichen Dingen überfordert und auch seine Familie interessiert ihn nur bedingt. Kurz vor der Katastrophe erwacht er aus seiner Lethargie und schafft es ihm letzten Moment, sich, seine Frau und die Kinder in Sicherheit zu bringen. Statt dankbar über die Rettung zu sein und die Nähe seiner Lieben zu schätzen, reagiert Ed gereizt und unzufrieden. Immer öfter entflieht er der familiären Nähe, bis es fast zu spät ist…

Ja, Ed ist kein Protagonist, den man in sein Herz schließen möchte oder kann. Er war mir von der ersten Seite an unsympathisch und doch war genau aus diesem Grund auch der Reiz zum Weiterlesen gegeben. Es war interessant mitzuverfolgen, wie sich Ed im Laufe der Zeit den Herausforderungen stellt, welche inneren Kräfte und Werte er in sich entdeckt. Unser Protagonist verändert sich positiv. In Rückblenden erfahren wir mehr darüber, welche Erfahrungen ihn zu dem Menschen gemacht haben, der er zu Beginn der Geschichte ist. Wir nehmen an seinen Gedanken Anteil und können mitverfolgen, wie er zu überraschenden Selbsterkenntnissen gelangt. Ed ist wahrlich kein Sympathieträger, beeindruckt aber durch eine gnadenlos ehrliche Selbsteinschätzung. Schlussendlich erfährt er eine Wandlung, die achtenswert ist.

Neben Ed verfolgen wir den Weg einer bunt zusammengewürfelten Gruppe Menschen, die aufeinander angewiesen sind, um zu überleben, Freundschaften entstehen. Doch werden diese den Herausforderungen der Reise gewachsen sein? Werden sie das Ziel gemeinsam erreichen?

In den auf sie zukommenden Grenzsituationen zeigen sich Charakterstärken und Schwächen jedes Einzelnen. Manch einer wächst über sich hinaus, andere offenbaren ihre verborgenen seelischen Abgründe. Hoffnung kann ungeahnte Kräfte freilegen und ein nicht zu unterschätzender Antrieb werden.

Wir erleben verschiedene Szenarien, wie einzelne Menschen oder Gruppen mit der Situation, sich in einer von der Apokalypse zerstörten Welt zurechtfinden und einen neuen Alltag beginnen.

Für mich gab es im Buch einen besonderen Sympathieträger – Bryce.
Er gehört mit zum Kern der Gruppe um Ed, ist kein einfacher Charakter, vielschichtig und trotz vieler Eigenheiten hat er mich sehr schnell für sich eingenommen. Der Ausspruch: „Harte Schale, weicher Kern.“, trifft bei ihm perfekt zu. Seine Erkenntnisse sind an vielen Stellen treffend, auch wenn sie unschöne Wahrheiten widerspiegeln.

Das Ende des Romans gestaltete sich völlig anders, als von mir erwartet. Viele offene Fragen stehen weiterhin im Raum und es gibt einen großen Spielraum für eigene Überlegungen.

Was bleibt, ist ein Hoffnungsschimmer am Horizont.




Donnerstag, 25. August 2016

Rezension "George" von Alex Gino - S. FISCHER Verlag





Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: FISCHER KJB; Auflage: 1 (25. August 2016)
Sprache: Deutsch
übersetzt von: Alexandra Ernst
ISBN-10: 3737340323
ISBN-13: 978-3737340328
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
D: 14,99 Euro





Inhalt:


Sei, wer du bist!

George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen.

›George‹ erzählt einfühlsam und unprätentiös vom Anderssein und ermutigt, den eigenen Weg zu gehen. Der erste Kinderroman zum Thema Transgender, der auch ältere Leser fesseln wird und der die Botschaft vermittelt: Sei, wer du bist!
Quelle: Amazon




Der Autor:


Alex Gino, geboren und aufgewachsen in Staten Island, New York, mag die Natur und Geschichten, die die Vielfalt des Lebens widerspiegeln. Heute lebt Alex Gino mit Partner und zwei Katzen in Kalifornien, USA. Alex Gino ist seit über zwanzig Jahren in der queeren und transgender Bewegung aktiv. Persönliche Erfahrungen und das Wissen, dass transgender Kinder Romane brauchen, die sie bestärken und ihnen Mut machen, waren der Anlass <i>George</i> zu schreiben.

Literaturpreise:

›George‹:
Stonewall Book Award
Quelle: Amazon




Rezension:


"Für dich, als du das Gefühl hattest, nicht dazuzugehören."

Heute möchte ich Euch George vorstellen. Die erste Beschreibung, die mir bereits nach wenigen Seiten im Buch in den Sinn kam: „George ist zauberhaft“. In diesem Moment bezieht sich meine Aussage einmal nicht auf das Buch selbst, sondern die Person George. Dieser Eindruck verstärkte sich mit jeder gelesenen Seite. 

Transgender sind seit geraumer Zeit ein Thema in der Buchwelt. Ob Jugendliche in der Pubertät, am Rande zum Erwachsen werden (z. B. in "Zusammen werden wir leuchten") oder gestandene Persönlichkeiten in der Gesellschaft. Doch ein Buch über ein Kind, sprich hier den 10jährigen George, gab es soweit noch nicht. Es ist ein Wagnis, das Alex Gino eingegangen ist
 und ein Bedürfnis zugleich. Doch "George" ist wichtig und ein großer Schritt zur richtigen Zeit.

Was gleich nach den ersten Seiten auffällt, der Autor lässt George von Anfang an als Mädchen auftreten. Als Leser hat man George gefühlt immer als Mädchen im Blick. Würde man das Buch ohne Kenntnis des Klappentextes beginnen zu lesen, käme man erst nach mehreren Seiten auf den Rückschluss, dass es sich bei George zumindest rein äußerlich um einen Jungen handelt.

Alex Gino weiß worüber er hier schreibt und kennt die innere Zerrissenheit, wenn Körper und Geist nicht miteinander harmonieren bzw. dem gesellschaftlichen Bild entsprechen aus eigener Erfahrung. Alex Gino´s Genderidentität ist genderqueer (männlich-weiblich dual). Und in diesem Zusammenhang habe ich auch wieder etwas hinzu gelernt.

Wie nehmen Kinder ihren Platz in der Gesellschaft ein? 
Sie werden geprägt durch ihre Umfeld. Doch wie viel Einfluss besitzen innere Instinkte, angeborene Eigenschaften?
Jedes Kind ist anders und wenn man drei Kinder annähernd gleich erzieht, wird sich doch jedes individuell entwickeln. Ich spreche aus Erfahrung und jedes meiner Kinder hatte von Geburt an seine Eigenheiten, die sie bis heute nicht abgelegt haben.

Wer oder was bestimmt, ob wir ein Junge oder ein Mädchen sind? Sind es rein die Gene und äußerlichen Merkmale, unser Verhalten oder Gefühle?
Jungen spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen. Was aber, wenn das Mädchen eher Autos liebt und der Junge glücklich ist, einen Puppenwagen durch den Garten zu schieben? Ein Junge kann genauso aufgeregt sein kann, wenn er einen Bagger bei der Arbeit sieht, wie beim Puppenwagen schieben. Das Mädchen hat genauso Spaß daran, stundenlang Autos hin und her zu schieben, wie ihre Barbiepuppen neu einzukleiden. Toll, wenn sie ihre Umgebung und Möglichkeiten spielerisch erkunden können. Was zukünftig daraus wird können wir als Eltern nur bedingt beeinflussen. Wir müssen offen sein und sie bei ihrem Tun unterstützen. 



George ist erst zehn Jahre alt und doch weiß sie bereits ganz genau wer sie ist, ein Mädchen im Körper eines Jungen. Ihr ganzes Wesen ist davon geprägt. Es fehlt nur noch der Mut, sich ihren Eltern und Freunden anzuvertrauen. Sie hat Angst, ihre Familie mit der Wahrheit zu verletzen oder nicht ernst genommen zu werden. Anders zu sein ist für niemanden leicht. 
Ihre Sehnsüchte verfolgt sie bisher nur im geheimen. George lebt mit ihrer gespaltenen Gefühlswelt allein und traut sich nicht, sich jemandem zu offenbaren. Allein der Drang dazu wächst ständig. 
Bis auf ihre Freundschaft mit Kelly, die noch sehr wichtig werden wird, gehört George nirgendwo richtig dazu. Sie fühlt sich ausgeschlossen und allein. Sicher kennen fast alle von Euch dieses Gefühl, wenn man nicht dazugehört und können nachvollziehen, um wie viel stärker sich diese Gefühle bei einem Kind äußern.

George lebt ihr wahres Ich nur im geheimen, bis ihre Schule eines Tages ein Theaterstück aufführt und George sich nichts sehnlicher wünscht, als die Hauprolle, eine Mädchenrolle, darin spielen zu dürfen. Als Junge wird ihr dies jedoch verwehrt. Warum eigentlich? In früheren Zeiten wurden die weiblichen Theaterrollen nur von Männern verkörpert und es war völlig normal. Unser Gesellschaftsbild hat sich in Klischees verrannt. 

Und an dieser Stelle bin ich auch direkt beim ersten Kritikpunkt dieser Buchbesprechung angelangt. Selbst Alex Gino bedient sich in seinen Beschreibungen althergebrachter Klischees, die er doch eigentlich mit diesem Buch ausräumen möchte. Auch bei ihm fallen die Personen in von der Gesellschaft geprägte Verhaltensmuster. Außer George und Kelly verhalten sich die handelnden Personen überwiegend katalogisiert. An diesem Punkt wünschte ich mir von ihm mehr Offenheit.

George liebte es, mit drei Jahren, in den Kleidern ihrer Mum zu posieren. Was sich mir im Buch allerdings nicht so ganz erschlossen hat ist, dass aufgrund dieser Tatsache und dass George z. B. Mädchenzeitungen liest sowie diese in einer typischen Mädchentasche verwahrt, alle denken, dass George schwul wäre. Mir fehlte da so ein wenig die Differenzierung zwischen Transgender und Homosexualität als Erklärung für die Kinder und Jugendlichen, die dieses Buch lesen werden. Für viele wird es die erste Berührung mit dem Thema "Transgender" und dem "Anderssein" sein.

Zum Glück gibt es Kelly, für die George einfach George ist. Für Kelly ist George, nachdem diese sich ihr geöffnet hat, eben einfach die beste Freundin. Sie ermöglicht ihr die Erfüllung eines großen Traumes. Ohne zu wissen, welche Auswirkungen dieses öffentliche Outing für George haben wird, beschreiten beide gemeinsam diesen Weg. Kelly akzeptiert "Melissa" und nimmt sie an der Hand und gibt ihr Halt. Bekommt "Melissa" eine Chance?

An diesem sehen wir, wie viel offener Kinder im Umgang miteinander sein können. George hat sich ja auch vom Wesen her nicht geändert, nur der Blick der Außenstehenden auf sie als Person ist nun ein anderer. So lernen bereits Kinder Verständnis für diejenigen aufzubringen, die nicht dem normalen Gesellschaftschema entsprechen.

Eine beeindruckende Geschichte voller Empathie, der man sich von der ersten Seite an nicht entziehen kann. Der ideale Einstieg, um Kinder mit der Thematik des Andersseins und dessen Akzeptanz in Berührung zu bringen.



Wenn ein Buch von zwei Personen gelesen wird, sind die Einblicke und Emotionen nicht immer dieselben, doch manche Bücher erzeugen einfach einen Gleichklang der Gefühle. 
Ein Blick zu Arndt von AstroLibrium und seiner Sicht auf den Roman, wird Euch dies zeigen.

Und noch eine Stimme zum Buch: Ronja von Bücherstöberecke

Dienstag, 23. August 2016

Rezension "Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell" von Alice Hoffmann - FISCHER Sauerländer



Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (28. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
übersetzt von: Sibylle Schmidt
ISBN-10: 3737353875
ISBN-13: 978-3737353878
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 10 Jahren
D: 12,99 Euro



Inhalt:


Als Twig mit ihrer Mutter in dem idyllischen Städtchen Sidwell ankommt, ist sie nicht die einzige Person auf dem Rücksitz. Von ihrem Bruder darf jedoch nie jemand etwas erfahren, genauso wenig wie von dem Fluch, der auf ihrer Familie lastet. Deshalb macht Twig sich so unsichtbar wie möglich und entdeckt dabei jede Menge Geheimnisse in Sidwell: Dinge verschwinden, seltsame Graffiti tauchen auf … Ob das alles mit dem geflügelten Ungeheuer zu tun hat, das sich in mondhellen Nächten über ihrem Haus in die Lüfte schwingt?

Während die Leute in Sidwell reden und die aberwitzigsten Vermutungen anstellen, vergräbt Twig sich in Schweigen. Und macht einen besonders großen Bogen um Julia, das mitreißend fröhliche Nachbarsmädchen. Die lässt sich allerdings durch nichts und niemanden davon abhalten, Twigs beste Freundin zu werden, und dann ist es auf einmal vorbei mit der Geheimniskrämerei – zum Glück, denn gemeinsam ist alles plötzlich ganz leicht. Zusammen machen die beiden Mädchen sich daran, die Geheimnisse von Sidwell zu lösen. Eine magische Geschichte über das Normale am Anderssein, die Kraft der Freundschaft und einen Ort, an dem alles möglich ist.
Quelle: Amazon


Die Autorin:


Alice Hoffman wurde 1952 in New York geboren und lebt heute in Boston. Ihre Kinder- und Erwachsenenromane wurden in über 20 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nun legt Alice Hoffman ihr neues Kinderbuch vor – und schreibt poetischer und bezaubernder als je zuvor.

Quelle: Amazon

Rezension:


Nehmt Euch ein Stückchen Apfelkuchen, lehnt Euch zurück und hört auf das Schlagen der Flügel in der Stille der Nacht. Spürt Ihr den Windhauch auf Eurem Gesicht? Nein? Dann kommt mit mir nach Sidwell. Hier liegt einiges im Verborgenen und es gilt die Geheimnisse der Vergangenheit aufzudecken.





Mit „Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell“ ist der Autorin ein Buch gelungen, das eine große Bandbreite an Lesern anspricht. Freundschaft, Liebe, ein großes Geheimnis, ein Fluch und alles umwebt von einem Hauch Magie. Zutaten, die nicht nur Liebhaber von Fantasyliteratur ansprechen. Es ist, als würde eine Prise Märchenluft über dem normalen Alltag einer Kleinstadt hinwegwehen.

Sympathische und liebevoll gezeichnete Charaktere bestimmen den Verlauf der Handlung. Dabei stehen zwar Twig und ihr Bruder als Protagonisten im Focus, doch alle weiteren Figuren füllen einen großen Raum aus, sind wichtig und auf ihre Art einzigartig. Sie dienen nicht einfach nur als Randfiguren, was mir persönlich sehr gefallen hat.

In "Nachtvogel oder Die Geheimnisse von Sidwell" geht es um den Zusammenhalt einer Familie, die Macht der Liebe und vor allem um Vertrauen. Wir erfahren, wie verheerend sich ungeklärte Missverständnisse noch auf spätere Generationen auswirken können. Wie falsche Rückschlüsse und die Angst vor dem Unbekannten unsere Handlungen negativ beeinflussen können. Anderssein ist nicht gleichbedeutend, das von demjenigen Gefahr ausgeht. Wir fürchten, was wir nicht kennen.

Der Scheibstil der Autorin ist poetisch und bildhaft. Den Duft von frischem Apfelkuchen und Marmelade könnt ihr förmlich schnuppern. 

Am Schluss des Buches verrät Alice Hoffmann noch zwei Rezepte für leckeren Apfelkuchen, womit nun auch das Geheimnis meines obigen Fotos gelöst ist. Ich habe direkt eines der Rezepte ausprobiert und kann sagen: „Es ist ganz leicht und schmeckt wunderbar.“

Sonntag, 21. August 2016

Rezension "Leons Erbe" von Michael Theißen - Bastei Entertainment

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 1855 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 232 Seiten
Verlag: Bastei Entertainment (2. Mai 2016)
Sprache: Deutsch
D: 5,99 Euro
Taschenbuch: 300 Seiten
Verlag: Bastei Entertainment (11. Juli 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3741300144
ISBN-13: 978-3741300141
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
D: 12,90 Euro





Inhalt:


Für Katja bricht eine Welt zusammen, als ihr Sohn Leon bei einem Autounfall ums Leben kommt. Es ist der zweite schwere Schicksalsschlag in kurzer Zeit. Erst vor sechs Monaten ist ihre Schwester spurlos verschwunden. Als Katja nach Leons Trauerfeier einen Anruf erhält, überschlagen sich die Ereignisse: Ein Notar ist im Besitz einer Kiste, die Leon seiner Mutter vererbt hat. Als Katja die Kiste öffnet, entdeckt sie darin ein Armband, das ihrer Schwester gehörte. Wie ist ihr Sohn in den Besitz dieses Armbandes gekommen? Und warum hat er es bei einem Notar hinterlegt? Was will Leon seiner Mutter aus dem Tod heraus damit sagen? Für Katja beginnt eine Suche nach der Wahrheit - nichtsahnend, dass sie damit die Tür zu einem dunklen Familiengeheimnis öffnet ...

Dieser Roman erscheint in der neuen Reihe von Bastei Entertainment: Psycho-Thriller voller "Hochspannung".
Quelle: Amazon




Der Autor:



Michael Theißen, ist 29 Jahre alt und lebt in der Nähe von Mönchengladbach.
Quelle: Michael Theißen


Rezension:


Auf diesen Thriller wurde ich direkt durch den Autor aufmerksam gemacht. Ich bin froh, das Angebot angenommen zu haben, auch wenn ich das Buch selbst nur als eBook lesen konnte. Mittlerweile ist "Leons Erbe" für alle Liebhaber echter Papierseiten auch als Taschenbuch verfügbar.

Die Geschichte beginnt für Katja mit dem Verlust ihres einzigen Kindes. Auf der Suche nach Antworten und ihrer kurz zuvor verschwundenen Schwester gerät sie in einen Strudel aus merkwürdigen Ereignissen und wird mit bitteren Wahrheiten konfrontiert. Aber wir haben eine starke Protagonistin vor uns, die nicht aufgibt und sich auch den unschönen Seiten des Lebens stellt. 
Der Spannungsbogen reist bis zum Schluss nicht ab. Ich habe trotz eBook nur kurze Zeit gebraucht, um das Buch zu lesen und diese Zeit genossen. 

Der Autor spielt mit den Gefühlen seiner Leser und lässt uns verschiedene Emotionsebenen durchlaufen. Psychologisch gut durchdacht, mit immer wieder neuen Wendungen und Möglichkeiten, hat Michael Theißen einen fesselnden Psycho-Thriller geschaffen. Geschickt lenkt er die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Tätern ab und lässt uns Leser als Ermittler immer wieder der falschen Fährte folgen. Die Hintergründe und was wirklich passierte, hat mich daher zum Schluss dann doch überrascht.
Am Ende wird die Auflösung ein wenig rasch abgehandelt und hätte ruhig noch etwas verschlungener ausgearbeitet werden können. Trotzdem ein gelungenes Debüt.

Der Autor schafft es, dass der Leser vor allem Verständnis und Sympathien mit den Tätern aufbaut. Denn die eigentlichen Opfer sind hier die Täter selbst. 
Orakel ich Euch zu viel? Dann nichts wie hin, greift Euch das Buch und fangt an zu lesen.


Dienstag, 16. August 2016

Rezension "Zum Glück braucht mich niemand" von Liv Marit Weberg - Fischer Sauerländer






Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: FISCHER Sauerländer; Auflage: 1 (23. Juni 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3737352445
ISBN-13: 978-3737352444
Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Originaltitel: Det er heldigvis ingen som trenger meg
D: 13,99 Euro




Inhalt:


Anne Lise ist eigentlich zu schüchtern für eine Beziehung, aber so verliebt, dass es kaum auszuhalten ist. Deshalb zieht sie Hals über Kopf mit ihrem frischgebackenen Freund Stian zusammen. Die beiden schmeißen ihr Studium in Oslo, um mitten in der Pampa eine Tierhandlung zu übernehmen. Doch Stian kümmert sich mehr um die Tiere als um Anne-Lise. Die ist natürlich stinksauer – wozu will er eigentlich überhaupt eine Freundin? Doch wie soll man sich streiten, wenn man eigentlich schon zum Küssen zu schüchtern ist? Und soll das jetzt etwa die große Liebe sein? Um herauszufinden, was man vom Leben eigentlich will, ist abhauen immer noch die beste Lösung – zumindest, wenn es nach Anne-Lise geht …

Eine chaotische Liebegeschichte aus der Generation Y – launig, witzig und intelligent!
Quelle: Fischer Sauerländer





Die Autorin:


Liv Marit Weberg wurde 1988 als schüchternes kleines Mädchen geboren und lebt heute in Oslo, Norwegen. Sie hat am Norwegischen Kinderbuchinstitut literarisches Schreiben studiert und ihren Master in Nordischer Literatur an der Universität Oslo gemacht. In ihrem Debütroman ›Zum Glück bemerkt mich niemand … dachte ich‹ verarbeitet sie auch ihre eigenen Erfahrungen – auf die Spitze getrieben!
Quelle: Fischer Sauerländer




Rezension:


Vor einer Weile habe ich mich Anne-Lise angefreundet und ihren verdrehten Blick auf die Welt irgendwie lieb gewonnen. Warum, könnt ihr hier nachlesen "Zum Glück bemerkt mich niemand...dachte ich".

Am Ende dachte ich, sie hat sich gemausert und geht ihren Weg. Doch das Leben ist eben doch nicht so einfach und wir Menschen können uns verändern, aber nicht von einem Tag auf den anderen aus unserer Haut schlüpfen.

Für Anne-Lise gleicht das Leben eher einem täglichen Überlebenskampf. Geplagt von Selbstzweifeln, Minderwertigkeitskomplexen und Ängsten, versucht sie sich irgendwie von einem Tag zum anderen zu winden. Dabei fühlt sie sich aber selbst der Beziehung zu Stian auf Dauer nicht gewachsen und eher als Klotz an seinem Bein. Kurzerhand zieht sie sich erneut in ihr Schneckenhaus zurück. Jedoch wäre Anne-Lise nicht Anne-Lise, wenn sie sich so einfach unterkriegen lassen würde.

Um im Alltag bestehen zu können, holt sie sich hilfreiche Lebensweisheiten aus dem Internet und versucht diese umzusetzen. Natürlich kommt es dadurch zu merkwürdigen Begebenheiten.
Liv Marit Weberg beweist wieder einmal ihr Händchen für die perfekte Situationskomik.
Doch unsere kleine Antiheldin lernt aus ihren Fehlern und auch Anne-Lise wird langsam erwachsen.
Sie wird nie der perfekte, einfach zu beschreibende Mensch von nebenan werden. Doch sie lernt, dass auch sie einen Wert hat und es Menschen gibt, die dies bemerken. Anne-Liese begreift nach und nach, dass es da jemanden gibt, der sie vorbehaltlos akzeptiert, den sie braucht und es nicht verkehrt ist, an ein Morgen zu glauben, sich jemand anderem anzuvertrauen. Schritt für Schritt wagt sie sich in das Abenteuer Leben.

Auch in "Zum Glück braucht mich niemand" werden wieder alle Begebenheiten überspitzt dargestellt, aber genau das macht den Charme dieses Buches aus. Gut versteckt zwischen den Zeilen finden wir treffende Gesellschaftskritik, die uns innehalten und einmal über das Leben nachdenken lassen sollte.

Lasst euch auf das Abenteuer Anne-Lise ein, ihr werdet es nicht bereuen.






Sonntag, 14. August 2016

Klassiker-Weltreise - auf den Spuren von "Der kleine Lord" mit Frances Hodgson Burnett & Aufbau Verlag

Ich möchte euch im Rahmen der Klassiker-Weltreise nach Amerika und England Ende des 19. Jahrhunderts entführen. "Der kleine Lord" ist eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten seit Kindertagen. Ich muss aber gestehen, dass ich das Buch selbst gerade zum ersten Mal gelesen habe und bisher nur die Verfilmung kannte.

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Rütten & Loening; Auflage: 2 (21. September 2015)
Sprache: Deutsch
übersetzt von Emmy Becher
ISBN-10: 3352006687
ISBN-13: 978-3352006685
Originaltitel: Little Lord Fauntleroy
D: 12,00 Euro

Wir empfinden diesen Klassiker als Weihnachtsbuch und die Verfilmung wird auch als Weihnachtsklassiker beworben bzw. fast nur in dieser Jahreszeit im Fernsehen gezeigt.
Eine Weihnachtsgeschichte im Hochsommer lesen, geht das? Ja, denn eigentlich ist "Der kleine Lord" kein Weihnachtsmärchen, auch wenn ein Teil der Geschichte um Weihnachten herum spielt. Warum verbinden wir dann diese Geschichte automatisch mit Weihnachten?

Doch für alle, die "Der kleine Lord" vielleicht doch nicht kennen sollten, etwas zum Inhalt:


Der siebenjährige Cedric lebt mit seiner verwitweten Mutter in ärmlichen Verhältnissen in New York, als sich sein Leben mit einem Schlag verändert: Er soll ein Lord werden. Sein Großvater, der Earl von Dorincourt, möchte seinen einzigen Enkel nach England holen, um ihn dort zu seinem Nachfolger zu erziehen. 
Also machen sich Cedric und seine Mutter auf den Weg. Doch sein Großvater erweist sich als ein mürrischer, unfreundlicher Greis, und dann taucht auch noch eine Frau auf, die behauptet, ihr Sohn sei der wahre Lord.

Ein anrührende, wunderbare Weihnachtsgeschichte, die mit Alec Guinness verfilmt worden ist.
Quelle: Amazon

Geschrieben wurde das Buch von 


Frances Hodgson Burnett wurde 1849 als Tochter eines Goldschmieds im englischen Manchester geboren. Nach dem Tod ihres Vaters wanderte die Familie 1865 nach Knoxville (Tennessee) in die USA aus. Dort begann sie für amerikanische Zeitungen zu schreiben. Nach 1901 lebte Frances Hodgson Burnett in Long Island und auf Bermuda. Sie starb 1924. Zu ihren bekanntesten Kinderbüchern zählen „Der kleine Lord“ und „Der geheime Garten“.
„Der kleine Lord“ ist mehrmals verfilmt worden – zuletzt im Jahr 1980 mit Alec Guinness in der Rolle des Earl von Dorincourt.
Quelle: Amazon


Ich hatte das Vergnügen, eine wundervolle Zeit mit Cedric, Lord Fauntleroy - Earl of Dorincourt verbringen zu dürfen und er bat mich, kurz zu Wort kommen zu dürfen.

...Wer hätte gedacht, dass meine Lebensgeschichte einmal ganze Generationen von Menschen beeindrucken und so berühren würde. Ich traf Frances Hodgson Burnett während eines Besuches bei meinen Freunden in Amerika. Sie war von meinen Kindheitserinnerungen so begeistert, dass wir auch später noch in regem Briefkontakt standen. Eines Tages bat sie mich um Erlaubnis, meine Geschichte in einem Buch erzählen zu dürfen. Natürlich war ich skeptisch. Wer sollte schon die Geschichte eines kleinen amerikanischen Jungen lesen wollen, der durch viele glückliche Fügungen des Lebens zu Lord Fauntleroy und später zum Earl of Dorincourt wurde. Aber Frances wurde mir eine treue Freundin und nach der Lektüre der ersten Seiten ihres Manuskriptes, blieb mir nichts anderes übrig, als ihrer Bitte stattzugeben.
Meine liebe Freundin Frances hat es verstanden, die Erzählungen eines alten Mannes in der kindlichen Sprachform des kleinen Cedric niederzuschreiben. 

Ich war ein aufgeweckter, altkluger kleiner Junge, der seine Mitmenschen nur mit dem Herzen betrachtete. Mir war bewusst, dass Geld notwendig war, um leben zu können. Doch es war für mich als Kind nicht wirklich wichtig. Ich begriff damals die Macht von Reichtum und Ansehen noch nicht in ihrem vollen Ausmaß. Die Beziehung zu meinem Großvater profitierte von meinem naiv kindlichen Blick auf die Welt. Er war ein verbitterter vom Leben enttäuschter Mann, als ich ihm zum ersten Mal gegenüber stand. Doch mein unbekümmertes Wesen, eroberte rasch sein Herz und er begann dem Leben noch einmal eine Chance zu geben. Herzlieb, meine Mom, war der selbstloseste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Sie hätte alles für mich gegeben, selbst wenn es ihr das Herz gebrochen hätte.

Dieses Buch wurde mit Hilfe von Frances Hodgson Burnett zu einer Hommage an Herzlieb und ein liebevolles Gedenken an meinen Großvater. Es ist ein Buch voller Hoffnungen, Träume und Liebe.

Hochachtungsvoll

Cedric - Lord Fauntleroy - Earl of Dorincourt




Für mich wird "Der kleine Lord" immer ein Stück Kindheit bedeuten, ein absolutes Herzensbuch. 
Die Geschichte des kleinen Cedric spricht unseren Glauben daran, dass Träume wahr werden können, an. Vielleicht ist das ja auch der Grund, warum Frances Hodgson Burnetts Buch als Weihnachtsklassiker in die Geschichte eingegangen ist. Gerade in der Weihnachtszeit herrscht überall eine verzauberte Stimmung und das Verlangen nach Harmonie. "Der kleine Lord" berührt das Herz der Leser und man muss Cedric einfach lieben. 

In der Neuauflage des Aufbau Verlages wurden die Sprachweise der Autorin und der Schreibstil der damaligen Zeit übernommen. Die Übersetzung von Emmy Becher wirkt authentisch. Die Covergestaltung ist ein Traum und wird dem Buch vollkommen gerecht.
Für mich war das Lesen daher wie eine nostalgische Zeitreise mit absolutem Wohlfühlfaktor.

Es gibt mittlerweile sehr viele Verfilmungen von "Der kleine Lord". Doch für mich gibt es nur eine, die dem Buch wirklich gerecht wird. 



Eine Buchklassiker und eine Verfilmung, die nicht nur zur Weihnachtszeit Groß und Klein zum Verweilen und träumen einladen.

Freitag, 12. August 2016

Rezension "Die Schattenbucht" von Eric Berg - Limes Verlag






Broschiert: 416 Seiten
Verlag: Limes Verlag (22. Februar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3809026425
ISBN-13: 978-3809026426
D: 14,99 Euro







Inhalt:



Wer einen Traum hat, ist zu allem fähig…

Ohne ersichtlichen Grund und ohne emotionale Regung springt Marlene Adamski vom Balkon ihres Hauses in die Tiefe. Sie überlebt, spricht seither jedoch kein Wort mehr. Psychologin Ina Bartholdy findet keine Erklärung für das Verhalten der 62-jährigen Bäckersfrau, doch der Fall lässt sie nicht los. Sie fährt ins mecklenburgische Prerow, um nach ihrer Patientin zu sehen.

Marlene wird scheinbar liebevoll umsorgt. Doch das Verhalten ihres Ehemanns macht Ina stutzig. Keine Sekunde lässt er sie mit Marlene allein, will offensichtlich verhindern, dass sie mit Ina spricht. Was hat dieser Mann zu verbergen? Und was hat er mit den merkwürdigen Vorfällen zu tun, die sich in Prerow häufen?
Quelle: Amazon



Der Autor:



Seit Jahren zählt Eric Berg zu den erfolgreichsten deutschen Autoren. 2013 verwirklichte er einen langgehegten schriftstellerischen Traum und veröffentlichte seinen ersten Kriminalroman Das Nebelhaus, der Leser wie Kritiker gleichermaßen begeisterte. Nach Das Küstengrab ist Die Schattenbucht nun der dritte Roman des Erfolgsautors.
Quelle: Amazon




Rezension:


Schon mit "Küstengrab" konnte mich Eric Berg in seinen Bann ziehen und so war ich natürlich neugierig auf sein neuestes Werk. 

Die Verwirklichung eigentlich simpler Wünsche und Träume beginnt eine nicht mehr zu beeinflussende Eigendynamik zu entwickeln. Die dunklen Seiten der Protagonisten gewinnen die Überhand, bis sich die Ereignisse nicht mehr stoppen lassen. Rache, Schuld und Vergeltung bestimmen das Handeln der Personen und zeigen manch überraschende Charaktereigenschaft auf. Immer mehr brodelt es unter der gut bürgerlichen Oberfläche, bis geschmiedete Pläne und Träume zerplatzen und alles aus dem Ruder läuft...

Auch hier beweist der Autor sein Gespür für psychologisch gut aufgebaute Spannung und einen fesselnden Plot. Wir bewegen uns erneut zwischen zwei Zeitebenen. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart war sehr gut nachvollziehbar. Durch diesen in Zeitschüben erfolgenden Blick auf die Geschehnisse, befindet sich der Leser immer mitten in den Ereignissen und nach und nach schließt sich der Kreis bis zur Auflösung des Falls. 
Sicher sind einige Handlungen vorhersehbar und manche Vermutung wird sich mit der Zeit bestätigen, dennoch gibt es viele überraschende Wendungen. Ich mag die psychologischen Verwicklungen sehr.

Eric Bergs Figuren bleiben dem Leser nicht fremd. Jeder einzelne Charakter hat seine Besonderheiten. Mit unterschiedlichen positiven sowie negativen Eigenschaften ausgestattet, ist man immer wieder geneigt, auch für die "Schurken" eine gewisse Sympathie oder sogar Verständnis aufzubringen. Sie wirken authentisch und prägnant. Dabei lässt der Autor die Umgebung, in der seine Handlung spielt nicht aus dem Auge. Die Schilderung der Landschaft ist bildlich und intensiv, so dass der Leser die Handlungsorte direkt vor Augen hat.
Lasst euch von Eric Bergs raffinierter psychologischer Federführung gefangen nehmen.

Für mich ist dies ein Krimi, der kurzweilige Lesestunden verspricht und durch seine psychologische Raffinesse beeindruckt.